Vom 31.10.- 08.11. war im Foyer der GWG Gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft mbH, Heimeranstraße 31, 80339 München die Ausstellung “Weiter Bauen” zu sehen. Sie bestand aus den Arbeiten der Studenten des Lehrstuhles für Holzbau an der TU München , die in den letzten beiden Monaten mit Begleitung von Architekt Florian Lichtblau und Dipl. Ing. Alexander Gumpp entstanden waren.
Die verschiedenen Entwürfe wurden im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung am 31.10. einem breiten, geladenen Publikum aus Wirtschaft, Wissenschaft und Architektur präsentiert. Dabei wurde ganz klar, dass es zur zukunftsfähigen Erneuerung der bestehenden Baumassen keine Alternative gibt. Anhand eines aktuellen Sanierungsobjektes der GWG wurde sehr deutlich, dass eine funktionale, ökologische und gesamtwirtschaftliche Synthese aus Sanierung und Nachverdichtung möglich ist und durchaus interessante Chancen und Perspektiven für den Wohnbau der 50-er und 60-er Jahre eröffnet.
Im Begleitheft zur Ausstellung äußert sich Prof. Hermann Kaufmann im Vorwort zu den Intentionen und Zielen dieses Projektes und auch Hans-Otto Kraus (Geschäftsführer GWG), Architekt Florian Lichtblau und Dipl. Ing. Gumpp erläutern ihre Positionen dazu:

“Bauen und Erneuern im Bestand”
Ein Großteil des gesamten Baubestandes, insbesondere auch der Wohnbau in Deutschland ist funktional überholt, im Betrieb aufwändig, energetisch unzulänglich und entspricht nicht mehr den Komfortwünschen der Gesellschaft. das heißt, dass die eigentlichen Bauaufgaben der Zukunft in der Bestandssanierung liegen werden.
Diese Tatsache eröffnet große Chancen, denn der Zustand und vor allem die unzulängliche energetische Qualität der Bauten erfordert eine grundlegende Herangehensweise, was oft mit einer kompletten Umgestaltung einher geht. Bausünden der Vergangenheit können so gemildert oder gar eliminiert werden, und die Forderungen nach Nachverdichtung und Ergänzung bietet die Möglichkeit städtebaulicher Korrekturen.
Das Fachgebiet Holzbau der TU München hat daher ein aktuelles Sanierungsobjekt der GWG München zum Anlass genommen, um mit Studenten intelligente und den zukünftigen Forderungen nach Nachhaltigkeit entsprechende Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Ziel war die funktionale, ökologische und gesamtwirtschaftlilche Synthese aus Sanierung und Nachverdichtung für den Wohnbau der 50-er Jahre an dem wertvollen Standort. Besonderen Wert legte der Lehrstuhl auf das Aufzeigen verschiedener städtebaulicher Ansätze. auch sollte die Aufgabe zeigen, dass vielfältige gestalterische Möglichkeiten in solchen Themen liegen.
Besonders die Berfassung mit neuen energetischen Überlegungen stand im Focus, denn der Heizenergiebedarf der Anlage liegt mit 150-250kWh/m²a weit über den Richtwerten der ENEV Neubau übrigens der Normalwert von ca. 24Mio Wohneinheiten in Deutschland.Einer der Hauptbeiträge zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes in die Atmosphär muss die Verringerung des Heizwärmebedarfes der Bestandsgebäude durch eine erhebliche Verbesserung der Dämmung der Gebäudehülle, sowie der Verbesserung der Haustechnik sein.
Unter der ganzheitlichen Betrachtung der Energiekreisläufe werden biogene Baustoffe, insbesondere Holz, eine große Bedeutung erlangen. Beim Bauen im Bestand hat Holz durch die Möglichkeit der Vorfertigung und die damit verbundenen kurzen Bauzeiten, seines gerungen Gewichtes sowie seines ökologischen Potentiales große Vorteile gegenüber anderen Baustoffen. Die Auseinandersetzung an Hand der konkreten Aufgabenstellung sollte möglichst praxisnah diese Potentiale sichtbar machen.
Die Arbeiten entstanden im Wintersemester 2006/2007 und Sommersemester 2007 und wurden fachlich begleitet von Architekt Florian Lichtblau und Holzbauunternehmer Alexander Gumpp.
Prof. Hermann Kaufmann

Aufbruch
Die zukünftige Hauptaufgabe im Wohnungsbau wird die Pflege und Entwicklung des Bestandes sein. Es ist jetzt schon erkennbar, dass der Wohnungsneubau in der Bundesrepublik rückläufig ist. Die Stadt München bildet eine Ausnahme, da der Wohnungsbedarf hier auf absehbare Zeit auf hohem Niveau bleiben wird. Deshalb muss sich die Ausbildung der Architekten verstärkt auf die Themen Altbau - Umbau - Modernisierung konzentrieren. Hierbei geht es nicht nur um die
zeitgemäße und zukunftsorientierte Umgestaltung von Wohngebäuden, sondern besonders auch um die Entwicklung energiesparender Konstruktionen.
Die Verknüpfung akademischer Lehre mit konkreten Aufgabenstellungen aus der Praxis stellt eine ideale Voraussetzung für realistische Übungen dar. So lernen Studenten in einem sehr frühen Stadium, die Belange der Bauherren und der Nutzer zu erfassen und in die Lösungsfindung einzubeziehen. Diese Fähigkeit wird zukünftig ein wichtiges Erfolgskriterium für die ganze Branche sein. Aus diesem Grund begrüßt und unterstützt die GWG München als Wohnungsunternehmen, das nach wie vor sowohl im Neubau als auch im Umbau und der Modernisierung von Wohn-anlagen aktiv ist, die Zusammenarbeit mit der Architektur- Fakultät der TU München.
Das Ergebnis der ausgezeichneten Entwürfe lässt ein hohes Niveau an Qualität in der gestalterischen und konstruktiven Ausarbeitung erkennen, ebenso die intensive Auseinandersetzung mit den Erfordernissen der Bewohner.
Ein ermutigender Anfang für weitere Zusammenarbeit!
Hans-Otto Kraus,
Geschäftsführer GWG

Was heißt hier zukunftsfähig?
Herausforderung Wohnwert und Wirtschaftlichkeit im Baubestand. Der Neubauzuwachs beträgt nur mehr ein Prozent im Jahr, das Zweiliterhaus ist Stand der Technik. Währenddessen stinkt der Gebäudebestand mit Faktor 4 bis 12 zum Himmel (i.M. Faktor acht), ist funktional überholt, unkomfortabel und langsam richtig teuer. Die Bauwirtschaft liegt darnieder und die Nutzer beklagen sich.
Knapp 40 Prozent des deutschen Primärenergieverbrauches und 10 Milliarden Tonnen Material (nur Wohnbau) bilden
die erdrückende Ausgangslage. Global gesehen sind es die Endlichkeit der stofflichen und energetischen Ressourcen,
soziale und ökonomische Spannungen, sowie die bedrohliche Klimaentwicklung, die uns zum Handeln zwingen.
,Erneuern zur Zukunftssicherung’ lautet die Herausforderung, die sich kompetent, phantasievoll und entwicklungsoffen der unwiederbringlichen Bausubstanz annimmt. Dies ist die originäre Aufgabe für Architekten, Ingenieure und Ökonomen - die zweite Chance für Baugestalt, gesicherte Nachhaltigkeit und Gesamtwirtschaftlichkeit - auch für München.
Rückbesinnung und Vorausschau:
Ökologie, autonome Energie , Ökonomie - da müssen wir ran! Und wenn schon, dann gründlich und kulturbewusst. Wie nebenbei schaffen wir hochqualifizierte Arbeitsplätze, fördern den Forschungsschwerpunkt und bauen die Exportmärkte mit krisenfesten Produktlinien aus - die Politik beginnt gerade zu verstehen.
Und was hat der Besitzer und/ oder Nutzer davon? Einfache Antwort: Die Erneuerung alter Wohnhäuser mit Unterstützung speziell erfahrener Fachleute bietet schon energetisch die erfolgversprechendste Rendite auf dem Markt! Andere Faktoren wie attraktive Gestaltung, hoher Raumkomfort, Betriebssicherheit und langer Marktwerterhalt kommen hinzu -
Motto: ‘Mach’s gut, altes Haus!’
Florian Lichtblau, Architekt BDA

Was sucht der Holzbau im Altbau?
Klar, Aufstockung in Holzbauweise zur Nachverdichtung. Das hat sich in den letzten Jahren als sehr energieeffizienter Standard etabliert.
Noch viel spannender ist jedoch die elementierte und vorgefertigte Bauweise zur Sanierung von Bestandsfassaden mit zeitgemäßen Dämmstärken und variabler Fassadengestaltung. Der Holzbau hat heute die technischen und planerischen
Voraussetzungen auch komplexe Bestandsfassaden vorfertigen zu können und bietet somit eine höchst wirtschaftliche und energieeffiziente Alternative zum archaischen Kleben, Dübeln und Putzen von Dämmstoffen.
Höhere Qualität, kürzere Bauzeit und höhere CO2 - Einsparung sprechen eine deutliche Sprache.
Dipl. Ing. Alexander Gumpp
Insgesamt war dieses Projekt für alle Beteiligten ein voller Erfolg und hat in den Ergebnissen wieder bestätigt, dass im Gebäudebestand bei Nachverdichtung und Entwicklung ein riesiges Potential steckt. Dabei hat vor allem Holz enorme Vorteile gegenüber anderen Baustoffen.
Nun ist die GWG gefordert und wird in nächster Zukunft entscheiden, welcher der allesamt sehr gelungenen Entwürfe wie umgesetzt werden wird.