“Die gute alte Zeit”
Montag, den 3. März 2008Zur Zeit wird in Binswangen mein Elternhaus renoviert. Das Gebäude (ca.1880qm als Wohn- und Geschäftshaus) wurde von damals ansässigen Juden gebaut und mir persönlich wurde erst jetzt bewusst, wie gut das Haus architektonisch geplant und gestaltet war. Den tollen Originalzustand der Fassade kenne ich nur noch von überlieferten Bildern.
Die Gesimse als Einfassung um Fenster, Stockwerksebenen und Dachrandeinfassungen wurden wohl nach dem Krieg . 1950 entfernt und das ganze Haus mit einem Spitzwerk versehen. Die Seele des Hauses wurde aber endgültig bei
einem Umbau in den 60er Jahren geraubt.
Es war die Zeit, wo alles was “Alt” verpöhnt wurde. So wurden bei diesem Umbau alle Eichenfenster mit Kreuzsprossen, geschmiedeten Metallstäben und Fensterläden ausgebaut. Die Fensteröffnungen wurden der modernen Zeit angepasst, d.h. die neuen Fenster waren dreimal so breit als der Bestand, so das die ganze Harmonie der Fassade zerstört war.
Was mich heute immer wieder fasziniert, ist daß bei den Bauten die in dieser Zeit erstellt wurden um das Ortsbild zu bewahren, immer die Baulinie eingehalten wurde. Da die Grundstücksgrenzen nicht im rechten winkel zur Strße verlaufen, wurden um die Baulinie parallel zur Straße zu erhalten das Haus verschieden lang oder wie im Nachbarhaus, durch verschieden dicke Mauerstärken (von 30cm bis über 1,00m) ausgeglichen. Bei den neuen Häusern wiederum, die im ende des vorigen Jahrhunderts an der Hauptstraße erstellt wurden, ist diesbezüglich keine Rücksicht genommen worden. Dementsprechend wurde das Ortsbild beeinträchtigt.
Es wurde von den Bauämtern darauf geachtet, daß z.B. der Knistock ja nicht höher wurde, als genehmigt, aber wesentliche Punkte wie Einhaltung des parallelen Verlaufes der Baulinie zur Straße - was dem Ortsbild zugute gekommen wäre- wurde nicht beachtet oder als nebensächlich angesehen.
Da muss ich schon sagen:
“Hut ab, vor den Baumeistern der architektonisch guten alten Zeit”

Franz Schwarzbart

