Vom 05. - 07. Dezember fand in Garmisch wieder das Internationale Holzbauforum mit über 1.100 Teilnehmern statt und ich durfte auch wieder teilnehmen. Ich freue mich jedes Jahr wieder auf diese Veranstaltung, da es die einzige Veranstaltung ist, die alle “Holzbeteiligten” von den Studenten über die Hochschullehrer, die ausführenden Holzbaufirmen und die Zuliefererindustrie an einem Ort zusammenbringt. Dies auch noch mit einem internationalen Teilnehmerkreis.
Das Tagungsprogramm ist sehr umfassend und beschäftigt sich mit allen Aspekten des Holzbaus und auch mit dem gesellschaftlichen Umfeld und der Entwicklung, in dem Bauen mit Holz stattfindet. Durch die dreitägige Dauer der Veranstaltung bleibt auch viel Zeit zum Gedankenaustausch mit den Kollegen - ein idealer Platz, um vom Tagesgeschäft abzuschalten und sich mit neuen Ideen aufzutanken.
Ich möchte nur examplarisch in paar Vortragsinhalte streifen. So durfte Tom Kaden über den gerade in Berlin entstehenden siebengeschossigen Holzbau berichten. In seinem Vortrag wurde deutlich, welche Möglichkeiten der Holzbau auch in Deutschland heute bereits bietet. Im Vergleich zu Schweden, dies wurde von Tobias Schauerte, Uni Vaxjö, vorgestellt, sieht man allerdings auch wie unsere deutschen Bauvorschriften das Bauen insgesamt und vor allem das Bauen mit Holz verkomplizieren und verteuern. Wer denkt, dass Physik weltweit das gleiche bewirkt, hat eben darüber noch nicht mit den deutschen Behörden geredet.
Sehr interessant war der Vortrag von Lars Wild-Nordlund von BoKlok. BoKlok ist eine gemeinsame Firma von IKEA und Skanska, einem großen skandinavischen Haushersteller. Ziel von BoKlok ist es Häuser zu konzipieren und zu verkaufen, die ca. 20% günstiger als der Markt sind und dabei auch noch Geld zu verdienen. Dies bedeutet im wesentlichen kleinere Häuser und komplett standardisierte Häuser, die immer in Siedlungen zu ca. 30 Einheiten plaziert werden. Henry Ford hat mal zu Zeiten des T-Modells gesagt, dass der Wagen in jeder Farbe zu liefern ist, solange sie schwarz ist. Genauso stringent verfährt BoKlok mit Sonderausstattungen, es gibt keine. Alle Wände sind weiss, alle Sanitärräume haben die gleichen Fliesen und die gleiche Keramik, alle Küchen ist gleich - die Häuser werden in großer Zahl immer gleich in einem extrem hohen Vorfertigungsgrad hergestellt. So lässt sich ein “ehrlich” günstiger Preis realisieren, der den Kunden und den Hersteller zufriedenstellt. BoKlok bedient sehr erfolgreich den skandinavischen und englischen Markt und hat - bezeichnenderweise - kein Interesse am deutschen Baumarkt.
Dass die österreichischen Architekten in manchen Dingen, vor allem energetisch, momentan teilweise uns weit voraus sind, hat Heinz Plöderl aus Wels in seinem Vortrag deutlich herausgestellt. Für ihn ist das Mass der Dinge, dass ein neues Gebäude oder ein saniertes Gebäude die Energieeffizienz eines Passivhauses haben muss. Dass das alles auch noch gut aussehen kann und sich die Benutzer wohlfühlen hat er in seinem Vortrag eindrucksvoll bewiesen.
Diese Notwendigkeit des energieeffizienten Bauens und die dazu vorhandenen Möglichkeiten wurden auch in den Vortägen von Helmut Krapmeier, Energieinstitut Vorarlberg, und Mark Zimmermann, EMPA Dübendorf, sehr deutlich aufgezeigt. Wir haben alle technischen Möglichkeiten Gebäude mit einem Effizienfaktor von mindestens 10 im Vergleich zum Gebäudebestand zu bauen und wir müssen dies auch tun, sonst ist das Erreichen aller vereinbarter Klimaschutzziele absolute Makulatur.
Hermann Blumer, einer der “Päpste” des Holzbaus, zeigte auch noch am Beispiel einer Forschungsstation in der Antarktis, dass für das Bauen in Extremklimata eigentlich nur der vorgefertigte Holzbau in Frage kommt, alle anderen Bauweise steigen aus!
Danke an die Veranstalter für die Organsisation dieses tollen Kongresses. Ich freue mich schon wieder auf Garmisch 2008 und bin definitiv wieder dabei!